Das tragische Schicksal der Faller-Werke!

“Die bescheidenen Wurzeln im Schwarzwald und der Traum von der perfekten Miniaturwelt”

  • Mein Name ist Jakob Diener, ich bin nicht nur freiberuflicher Redakteur und Journalist, sondern auch Bahn und Modellbahn Enthusiast!

”In den dichten Wäldern des südlichen Schwarzwalds, genauer gesagt im idyllischen Gütenbach in Baden-Württemberg, begann 1946 eine Geschichte, die den Modellbau weltweit prägen sollte”

  • Die Brüder Edwin und Hermann Faller gründeten ihre kleine Firma zunächst unter dem Namen Hermann Faller und starteten mit einfachen Holzbaukästen für Modellhäuser.
  • Es war eine Zeit des Wiederaufbaus nach dem Krieg, in der Handwerk und Präzision noch alles bedeutet haben.
  • Die ersten Produkte waren schlicht, aber sie weckten bereits die Fantasie von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen – wer hätte damals schon geahnt, dass aus dieser bescheidenen Werkstatt einmal ein echtes Imperium der Miniaturen entstehen würde?
  • Die Faller-Brüder verkörperten den klassischen Unternehmergeist der Nachkriegszeit: hart arbeitend, innovativ und tief verwurzelt in der regionalen Tradition des Schwarzwalds, wo Genauigkeit und Liebe zum Detail seit Generationen hochgehalten werden.

”Doch schon bald sollte der Alltag sie vor harte Prüfungen stellen”

  • Der schwierige Start in der Nachkriegszeit und die geniale Wendung zum Modelleisenbahn-Zubehör!

“Das Jahr 1948 brachte eine unerwartete Krise”

  • Die Währungsreform in Westdeutschland ließ die Kunden plötzlich sparen, und die teuren Holzbaukästen blieben in den Regalen liegen. Statt aufzugeben, produzierten die Faller-Brüder kurzerhand Wäscheklammern, um das Überleben zu sichern – ein pragmatischer Schachzug, der zeigt, wie flexibel und überlebensfähig das junge Unternehmen bereits war.
  • Der echte Durchbruch kam jedoch mit der Idee, Zubehör für die boomende Modelleisenbahn in der Nenngröße H0 zu fertigen.

”Schnell avancierte Faller zum Weltmarktführer in diesem Segment und beschäftigte fast 200 Mitarbeiter”

  • Der erste Katalog erschien 1950, nur zwei Jahre später war er bereits 18 Seiten stark.
  • Ab 1953 setzten die Faller-Werke verstärkt auf Kunststoff wie Polystyrol, was die Produktion revolutionierte und detaillierte Bausätze ermöglichte.
  • Plötzlich entstanden ganze Miniaturwelten:
  • Authentische Schwarzwaldmühlen, Bahnhöfe wie Flüelen oder Cortina und ikonische Gebäude, die bis heute Kultstatus genießen.
  • Diese Modelle waren nicht nur Spielzeug, sondern kleine Kunstwerke, die die reale Welt in perfekter Detailtreue nachbildeten und Generationen von Hobbyisten begeisterten.

”Die goldenen Jahrzehnte”

  • Innovationen, Expansion und unvergessliche Kult-Modelle
    In den 1950er- und 1960er-Jahren erlebten die Faller-Werke eine Blütezeit, die ihresgleichen sucht.
  • Die Produktpalette wuchs rasant – von klassischen H0-Gebäuden über funktionsfähige Modelle wie Wassermühlen und Brunnen bis hin zur offiziellen Einführung der Nenngröße N im Jahr 1964.
  • Später folgten Z und Spur II unter der Marke POLA.
  • Viele Modelle orientierten sich an echten Vorbildern aus dem Schwarzwald und Baden-Württemberg:
  • Die Mäulesmühle, die Hexenlochmühle, das Martinstor in Freiburg oder das Rathaus in Alsfeld.

”Diese Authentizität machte Faller einzigartig und schuf eine lebendige Sammlerszene, in der seltene alte Bausätze heute hohe Preise erzielen”

  • Neben Gebäuden wagten sich die Faller-Werke auch in andere Bereiche:
  • Flugzeugmodelle im Maßstab 1:100 mit Elektromotoren, das elektrische Slotcar-System AMS ab 1963 oder das batteriebetriebene Hittrain für Kinder.
  • 1978 kam Playtrain hinzu, das sogar mit Playmobil-Figuren kombinierbar war.
  • 1997 übernahm Faller das traditionsreiche Unternehmen POLA, integrierte dessen Modelle und erweiterte das Sortiment weiter.
  • Das Unternehmen wurde zum Inbegriff für Qualität und Kreativität im Modellbau – ein Miniatur-Imperium, das nicht nur Züge, sondern ganze Lebenswelten schuf und tausende von Hobbyisten in ihren Bann zog.

“Der schleichende Wandel der Märkte und die ersten Anzeichen des Niedergangs”

  • Doch hinter dem glänzenden Erfolg lauerten bereits die Schatten.
  • Der Modellbau, einst ein Hobby für Jung und Alt, verlor in den 1980er- und 1990er-Jahren zunehmend an Attraktivität für die jüngere Generation.
  • Elektronikspiele, Computer und später Smartphones zogen die Kinder ab, während die klassische Modelleisenbahn immer mehr zum Domäne älterer Sammler wurde.
  • Faller spürte diesen Strukturwandel deutlich:

“Die Nachfrage nach detaillierten Bausätzen und Zubehör ging zurück, ähnlich wie bei anderen”

  • Branchengrößen wie Märklin, Trix oder Arnold.
  • Zusätzliche Herausforderungen kamen durch die Globalisierung und steigende Kosten.
  • Dennoch hielt das Unternehmen lange an seiner hohen Qualität fest und brachte weitere Innovationen wie das moderne Faller Car-System seit 1989 heraus, das mit Akkus und Magnetlenkung für realistische Straßenverkehre sorgte.
  • Die Leidenschaft der Mitarbeiter und die Treue der Sammler hielten das Schiff noch eine Weile über Wasser, doch die wirtschaftlichen Zeichen standen auf Sturm.

”Das dramatische Jahr 2009”

“Insolvenz und das drohende Ende einer Legende”

  • Am 28. August 2009 erreichte das tragische Schicksal der Faller-werke seinen Tiefpunkt.
  • Das traditionsreiche Unternehmen aus Gütenbach beantragte beim Amtsgericht Villingen-Schwenningen Insolvenz wegen drohender Zahlungsunfähigkeit.
  • Rund 120 Mitarbeiter bangten um ihre Jobs, und die Medien berichteten bundesweit vom Ende einer Ikone des deutschen Modellbaus.
  • Der Rückgang der Nachfrage nach Modelleisenbahnen und Zubehör war der Hauptgrund – ein Schicksal, das die gesamte Branche erfasste.
  • Der Stuttgarter Rechtsanwalt Volker Grub wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

”Für viele Fans fühlte es sich an wie das Ende einer Ära”

  • Die Faller-Modelle, die so viele Kinderzimmer und Ausstellungen bereichert hatten, schienen plötzlich Teil einer untergehenden Welt zu sein.
  • Die Insolvenz symbolisierte nicht nur finanzielle Probleme, sondern auch den kulturellen Wandel einer Gesellschaft, in der analoge Hobbys gegen digitale Unterhaltung kämpften.
  • Es war ein herber Schlag für den Schwarzwald-Standort und die gesamte Modellbaugemeinde.

“Der mutige Neuanfang 2010 und die überraschende Rettung”

  • Glücklicherweise endete die Geschichte nicht in der Ruine.
  • Bereits im April 2010 konnte das Insolvenzverfahren erfolgreich abgeschlossen werden.
  • Dank eines soliden Insolvenzplans ließen zwei Banken ihre Kredite stehen, und der damalige Geschäftsführer Horst Neidhard brachte eine Bareinlage ein.

”Das Unternehmen blieb unabhängig und in deutschen Händen”

  • Horst Neidhard übernahm die Führung und lenkte Faller durch die schwierige Phase.
  • Die Eigentümerfamilie zog sich erstmals aus der aktiven Geschäftsleitung zurück, doch der Geist der Gründer lebte weiter.

”In den folgenden Jahren konzentrierte sich Faller auf Kernkompetenzen”

  • Hochwertige Gebäude-Modelle, limitierte Editionen wie das Schloss Bran zum 75-jährigen Jubiläum und das Miniaturwelten-Museum in Gütenbach, das heute als Schaufenster der Marke dient.
  • Die Mitarbeiterzahl stabilisierte sich bei etwa 96 Beschäftigten, der Umsatz liegt derzeit bei rund 13 Millionen Euro.
  • Faller beweist damit eindrucksvoll, dass Tradition und Qualität auch in schwierigen Zeiten Bestand haben können.

Das Vermächtnis der Faller-Werke:

“Eine lebendige Legende für Sammler und Modellbauer von heute”

  • Heute, mehr als 75 Jahre nach der Gründung, steht Gebr. Faller GmbH weiterhin für Präzision und Leidenschaft im Modellbau.
  • Das Unternehmen ist Marktführer bei Gebäudemodellen und Zubehör, produziert weiterhin in Gütenbach und begeistert Sammler weltweit.

”Die tragische Insolvenz von 2009 hat nicht zum Untergang geführt, sondern zu einer notwendigen Neuausrichtung”

  • Viele der klassischen Modelle – von der Sägemühle 299 über die Windmühle bis hin zum modernen Car-System – sind nach wie vor gefragt und werden in Foren, auf Börsen und in Ausstellungen hochgeschätzt.
  • Das Schicksal der Faller-Werke lehrt uns, wie zerbrechlich wirtschaftlicher Erfolg sein kann, wenn sich gesellschaftliche Trends ändern.
  • Gleichzeitig zeigt es die unglaubliche Resilienz deutscher Mittelständler:
  • Mit Mut, Innovation und der Treue der Fans kann selbst nach einem scheinbaren Absturz ein Neuanfang gelingen.
  • Wer heute eine Faller-Anlage aufbaut, hält nicht nur ein Stück Plastik in den Händen, sondern ein Stück lebendiger Industriegeschichte aus dem Schwarzwald – ein Imperium, das zwar erschüttert wurde, aber nie ganz zugrunde gegangen ist.
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